Intuition als Grundvoraussetzung für kreative Prozesse – Auszug aus dem Design Thinking Handbuch „Wo ist das Problem?“

Die Zeiten ändern sich. Wohin sich die Märkte entwickeln, ist immer schwieriger vorherzusehen. Zudem werden die Aufgaben, Anforderungen und Beziehungen stets komplexer. Angesichts des ständig wachsenden Wettbewerbsdrucks sicherlich keine guten Voraussetzungen für die Einführung neuer und vor allem innovativer Produkte und Dienstleistungen. Müssen demnach rationale Denkprozesse um weitere intuitive Denkansätze ergänzt wenn nicht sogar ersetzt werden?

Analytische Denkweisen als klassisches Vorgehen im Management

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass auf stabilen Märkten die alten hierarchischen Führungsmodelle mit ihrer eindeutigen funktionalen Aufgabenverteilung durchaus erfolgreich waren. Für ein klar definiertes Problem gab es eine konkrete Lösung mit technischen und wirtschaftlichen Determinanten, deren Implementierung zumeist keine größeren Unsicherheitsfaktoren beinhaltete.

In diesem Zusammenhang wird auch von induktiven und deduktiven Schlussfolgerungen gesprochen, welche jeweils eine Aussage bezüglich der Wahrheit eines Arguments machen.

– Induktive Logik: hier wird vom Allgemeinen auf das Spezielle geschlossen
– Deduktive Logik: hier wird vom Speziellen auf das Allgemeine geschlossen

Richtet man den Blick auf das heutige Management, werden überwiegend diese beiden Denkrichtungen vermittelt und angewandt. Manager können damit auf Basis von Erfahrungswerten das Risiko und die Erfolg-saussichten besser bewerten und einschätzen. Analytische Denkweisen haben allerdings den Nachteil, dass sie innovationshemmend wirken und kreative Prozesse stark unterbinden. Damit können zwar vorhandene Strukturen modifiziert, richtungsweisende oder sogar radikale Veränderungen aber nicht verfolgt werden.

Intuitive Handlungsmuster lassen Neues entdecken

Neben den beiden vorherrschenden Logiken Induktion und Deduktion gibt es jedoch eine weitere fundamentale Logik: die Abduktion. Abduktive Denkweisen haben nicht das Ziel, die Wahrheit einer Aussage zu überprüfen. Es geht vielmehr darum zu postulieren, was möglicherweise wahr sein könnte und wie die beste Erklärung für einen Sachverhalt aussehen kann.

Gegenüber analytischen Denkansätzen bietet sie den Vorteil, offen und in verschiedene Richtungen und Möglichkeiten denken zu können. Abduktives Denken kann damit auch als komplementäres Problemlösungs- und Entscheidungsparadigma bezeichnet werden. Die Abduktion ist damit sehr mit der Intuition verwandt und wird zum Teil auch mit ihr gleichgesetzt. Intuition, im allgemeinen Sprachgebrauch meist auch als Bauchgefühl bekannt, beschreibt das Phänomen, sich von einer inneren Stimme leiten zu lassen. Auch wenn die Intuition eine jedem Menschen innewohnende Eigenschaft ist, wird sie häufig im professionellen Geschäftsumfeld ausgeblendet.

Gerade in wirtschaftlichen Kontexten gewährleistet Intuition jedoch eine gewisse Handlungsfähigkeit im Umgang mit komplexen Situationen. Sie fördert die Kreativität und ist vor allem im Bereich der Zukunftsgestaltung besonders wirkungsvoll.
Intuition soll aber nicht als Gegenteil des logisch rationalen Denkens verstanden werden. Es geht vielmehr darum, die Rationalität um die Intuition als Funktionsweise zu ergänzen.

Design Thinking als verbindendes Element beider Denkrichtungen

Ein Unterscheidungsmerkmal von Design Thinking ist es, Intuitionen wie auch Aspekte des analytischen Denkens miteinander zu verknüpfen. Daraus ergeben sich enorme Potenziale. Menschen unterschiedlicher Disziplinen und Ausprägungen können ihre Stärken zum Ausdruck bringen und die Intuition als ein Auslöser von Kreativität kann angemessen zur Geltung kommen. Im Kontext von kreativen Lösungen wird so schnell deutlich, dass erst die Kombination aus beiden Denkrichtungen dazu führt, Neues zu erschaffen und kreative Prozesse in Gang setzen zu können.

Vor allem in der Ideenfindungsphase findet kreatives und intuitives Denken statt. Vor dem Hintergrund einer Idealvorstellung geht es um die Frage „was wäre wenn“. Das Feld ist offen und die Teilnehmer können ihren kreativen und intuitiven Gedanken den maximal möglichen Spielraum geben. Gleichwohl liegen der Phase gewisse Unsicherheiten und Gefahren zugrunde. Intuitiv werden Annahmen getroffen, die in Form eines Prototyps Gestalt annehmen. Das Testen des Prototyps baut letztlich die Brücke zum analytischen Denken, da hier vor allem Erfahrungen gesammelt, analysiert und Muster identifiziert werden.
Intuitive Denkstrukturen erweitern den gedanklichen Horizont und der Design Thinker lernt so, seinen Fokus stärker auf das Mögliche zu lenken, um dann im Anschluss das Neue denken zu können.

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Dieser Artikel ist ein verkürzter Auszug aus dem Buch „Wo ist das Problem?“

Autor: Jendrik Busch, Design Thinking-Experte

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