Die Design Thinking Trilogie: Teil 3 – Der Methodenkoffer als das Handwerkszeug im Design Thinking

Für das Erfolgsrezept von Design Thinking ist neben dem sechsstufigen Prozess und einer neuen Arbeits- und Denkweise noch eine weitere Komponente von fundamentaler Bedeutung – der Methodenkoffer. In ihm sind altbekannte Moderations- und Kreativitätstechniken enthalten, die erweitert oder an den Design Thinking-Prozess angepasst werden können.

Wie in den letzten beiden Artikeln deutlich wurde, handelt es sich im Design Thinking sowohl um einen Innovationsprozess als auch um eine Denk- und Arbeitsweise, die unter anderem mit den Begriffen optimistisch, visuell, intuitiv und pragmatisch umschrieben werden kann. Die Idee und Vorgehensweise von Design Thinking geht im Wesentlichen auf die Arbeit von Designern, Architekten und Künstlern zurück. Durch Beobachten und Hinterfragen versuchen die herauszufinden, was die Menschen wirklich brauchen.

Die konsequente Fokussierung auf den Menschen mit seinen spezifischen Bedürfnissen ist demzufolge das Einzigartige, wodurch sich Design Thinking gegenüber anderen Kreativitätstechniken maßgeblich unterscheidet.

Das iterative Durchlaufen eines sechsstufigen Prozessmodells liefert hierzu die strukturellen Voraussetzungen, wenngleich die einzelnen Schritte in der Prozessdurchführung eher als Orientierung denn als strenges Abfolgediktat gelten. Der offene und flexible Charakter in der Prozessdurchführung findet aber auch im Rahmen der Methodenanwendung seine Anwendung.

Ein umfangreiches Methodenset strukturiert Design Thinking-Workshops

Beim Durchlaufen des Prozesses kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz, die in Abhängigkeit zu dem jeweiligen Prozessschritt stehen. Sie reichen von Beobachtungs- und Interviewtechniken über Clustering und Brainstorming bis hin zu Prototyp-Techniken und Nutzertests.

Insgesamt werden nun zur Verdeutlichung drei Methoden vorgestellt.

Es handelt sich hierbei um die Entwicklung einer Persona, die Ideengenerierung mit Hilfe eines Brainstorming und das Murphys Law als belebendes Element im Workshop-Modus.

Die Persona – der idealtypische Nutzer

Die Persona wird vorzugsweise in der dritten Phase – wenn es um die Definition des Standpunktes geht –  eingesetzt und gilt als eine der am häufigsten verwendeten Beschreibungsform.

Die Teilnehmer im Workshop erarbeiten eine fiktive Person, die einen idealtypischen Nutzer beschreibt. Besonders effektiv ist sie dann, wenn Zielgruppen mit ähnlichen Verhaltensweisen zusammengefasst werden sollen. Personas dienen nicht nur als Entscheidungs- und Argumentationsgrundlage im Design Thinking-Prozess, sondern leisten durch ihre visuelle Darstellung auch einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der nutzerorientierten Problemstellung. Eine Persona kann das Verhalten und die Emotionen von Kunden authentisch repräsentieren, was die Aufgabe des Design Thinking-Teams – nämlich in die Rolle des Kunden zu „schlüpfen“ – deutlich erleichtert.

Das Brainstorming – allseits bekannt und vielseitig einsetzbar

Das Brainstorming als zweites Beispiel ist eine der bekanntesten Kreativitätsmethoden und wird üblicherweise in der vierten Phase verwendet. In einer limitierten Zeit können alle nur denkbaren Ideen gesammelt und vorgeschlagen werden. Hierbei existieren eine Reihe von Regeln, wie zum Beispiel das Zurückstellen von Kritik, auf den Ideen anderer aufzubauen und Quantität vor Qualität zu stellen. Um noch kreativere Ideen erzeugen zu können, bieten sich auch Perspektivenwechsel an. Die Teilnehmer schlüpfen dann zum Beispiel in die Rolle eines Visionärs oder eines Pessimisten. Es können auch die Randbedingungen geändert werden, indem beispielsweise für die Lösung eines Problems unbegrenzte Geldmengen zur Verfügung gestellt werden.

Nach der Ideenfindung müssen die geeignetsten Vorschläge ausgewählt werden, die im Anschluss weiter verfolgt werden sollen. Dazu bilden die Teilnehmer Cluster, in denen die Ideen sinnvoll zusammengefasst werden.

Das Murphys Law – eine lebhafte Aufwärmübung im Workshop

Neben den Kreativitätstechniken existieren aber auch zahlreiche Moderationstechniken, die im Design Thinking zum Einsatz kommen können. Eine wirkungsvolle Methodik bietet das so genannte „Murphys Law“. Es dient letztlich als Aufwärmübung für das anstehende Brainstorming. Murphys Gesetze beschreiben die Widrigkeiten des Alltags, die sich immer gegen einen richten.  Zum Beispiel fängt es immer dann an zu regnen, wenn der Wagen gerade frisch gewaschen wurde.

Nach Aufteilung der Workshop-Teilnehmer in zwei Gruppen werden die vorab formulierten Murphys Gesetze nacheinander und abwechselnd laut kommuniziert und jede Gruppe hat nun jeweils 30 Sekunden Zeit, ein maximal mögliches Sammelsurium an Ideen zu nennen, das zur Behebung des Problems beitragen kann. Die Gruppe mit den meisten Lösungsvorschlägen hat die Aufwärmübung gewonnen.

Dieses Workshop-Element hat sich vielfach bewährt und kann sowohl als Einstimmung für ein Brainstorming wie auch als Aktivator in einer schwierigen Workshop-Phase eingesetzt werden. Übergeordnetes Ziel ist es, die Teilnehmer in eine entspannte Stimmung zu versetzen, um damit die Kreativität jedes Einzelnen zu fördern.

Der Design Thinking-Coach als Methodenguru

Diese kleine Auswahl an Methoden soll den enormen Handlungsspielraum auf diesem Gebiet nur anreißen. Design Thinking lebt von der Vielfalt und der flexiblen Anwendung unterschiedlichster Methoden. Für die Zielerreichung im Design Thinking sind viele Wege denkbar. Wichtig ist in diesem Zusammenhang nur, die Auswahl der passenden Methode zu  gewährleisten. Hierfür ist das Know-how von Design Thinking Coachs von zentraler Bedeutung. Sie verfügen nicht nur über ein reichhaltiges Methodenwissen, sondern sind auch in der Lage, bei Bedarf neue Methoden erfinden bzw. alte entsprechend anpassen zu können.

Die Design Thinking Trilogie: Ausblick und Zusammenfassung

Design Thinking bloß als Innovationsmethode zu verstehen ist sicherlich nur die halbe Wahrheit.

Vielmehr bleibt im Ergebnis festzuhalten, Design Thinking als einen Dreiklang aus Innovationsprozess, Mindset und Methodenkoffer zu begreifen.

Der Innovationsprozess bringt Lösungen hervor, die an den Bedürfnissen des Menschen ausgerichtet sind und sich damit von dem Ergebnis herkömmlicher Herangehensweisen unterscheiden.

Das Mindset hingegen ist schwerer zu definieren. Inspiriert durch die Arbeits- und Denkweise von Designern, Architekten und Künstlern gilt es aber als neuer Denkansatz, der den Anspruch eines neuen Management-Paradigmas erhebt und die Unternehmenskultur verändern kann. Hierbei geht es in erster Linie um einen gesteigerten Optimismus und Pragmatismus, der durch visuelle und intuitive Komponenten ergänzt werden muss.

Der Methodenkoffer als letzter Bestandteil umfasst ein reichhaltiges Angebot an Moderations- und Kreativtechniken, die immer in Abhängigkeit zu dem jeweiligen Prozessschritt betrachtet werden müssen. Vor allem Design Thinking Coaches müssen in der Lage sein, spontan und mit der richtigen Methode auf die Herausforderungen im Design Thinking-Workshop reagieren zu können.

Design Thinking findet demnach auf mehreren Ebenen statt: auf der methodischen, wobei es innovationsfördernde Handlungsweisen generiert und strukturiert, und auf der paradigmatischen, in der es eine ganz neue Kultur wirtschaftlichen Unternehmens und Denkens initiiert und in bestehende Strukturen zu implementieren hilft. Vor allem letzteres erfordert Mut – wie gut, wenn in diesem Zusammenhang das hier zugrundeliegende Problem richtig identifiziert werden konnte. Falls nicht, iterieren wir einfach erneut und lernen daraus!

Unser Design Thinking Handbuch „Wo ist das Problem? Design Thinking als neues Management-Paradigma“ erläutert das Thema detailliert. Hier können Sie es bestellen.

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Autor: Jendrik Busch

 

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