Die Design Thinking Trilogie: Teil 2 – Das Mindset als der wahre Erfolgsfaktor im Design Thinking?

Design Thinking ist sicherlich mehr als nur die bloße Umschreibung einer (neuen) Methode zur Ideengewinnung. Vielmehr erhebt es den Anspruch einer neuen Denkkultur, die über das Gestalten von Produkten und Dienstleistungen hinausgeht. Wir sprechen an dieser Stelle auch von einem neuen Management-Paradigma!

 

Design Thinking ist ein Prozess, und was noch?

Bevor wir Design Thinking als  Denkweise für eine neue Unternehmenskultur erläutern, möchten wir kurz die Erkenntnisse unseres letzten Beitrags in Erinnerung rufen.

Beim Design Thinking handelt es sich um einen Kreativprozess zur Ideenfindung, in dem insgesamt sechs aufeinander abgestimmte Phasen zum Einsatz kommen. Hierbei unterscheiden wir grundsätzlich zwischen den beiden Aktionsräumen „Problemanalyse“ und „Lösungsfindung“ unterschieden.

Das Besondere an Design Thinking ist der „human centered“-Ansatz. Hierbei wird bei der Entwicklung von Problemlösungen der Mensch mit seinen spezifischen Bedürfnissen in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt, was gegenüber anderen Kreativitätstechniken ein klares Unterscheidungsmerkmal darstellt.

Wie bereits in der Einleitung angedeutet, lässt sich Design Thinking aber eben nicht nur auf die oben beschriebene Prozess-Beschreibung reduzieren. Vielmehr existiert zusätzlich zu dem Prozess eine Arbeits- und Denkweise, die zu „Neu-deutsch“ auch gerne mit „Mindset“ umschrieben wird.

Der Design Thinker-Vorreiter Larry Liefer bezeichnet Design Thinking in diesem Zusammenhang als eine neue Denkweise, die sich von technischen Ansätzen, Probleme zu erfassen und zu lösen, abhebt. Die in unserer Gesellschaft vorherrschenden Denkmuster sind in der Regel sehr stark durch lösungsorientierte Verhaltensweisen geprägt. Design Thinking verkörpert mit seinem nutzer- und problemzentrierten Ansatz eine andere Art des Denkens und Arbeitens.

In unserem Design Thinking-Handbuch sprechen wir von insgesamt vier Erfolgsfaktoren, von denen wir glauben, dass sie das Mindset treffend widerspiegeln.

1. Optimistisch – Erfolg durch Scheitern

Schon der Begriff „Scheitern“ suggeriert in erster Linien einen negativen Befund. Dass sich am Ende hinter jedem missglückten Versuch auch ein enormer Erkenntnisgewinn verbergen kann, wird häufig verkannt. Design Thinking setzt genau an dieser Stelle an und stärkt die beiden Grundsatze, dass wir „aus Fehlern lernen“ und nach Maßgabe des „trial and error“ handeln sollten. Prozessschritte daraufhin wiederholen zu müssen, wird stets als Lernerfolg bewertet.

2. Visuell – Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Die Kommunikation von Ideen und Gedanken ist auf viele Arten und Weisen möglich, so etwa auf sprachlicher, zeichnerischer oder auch schriftlicher Ebene. Eine Kombination aus den jeweiligen Kommunikationsformen führt zu dem entscheidenden Erfolg. Wie so häufig geht es dabei nicht um perfekte Sprachbilder oder detailgetreue Skizzen und Zeichnungen. Studien belegen eindrucksvoll, dass die Erinnerungsrate von gelesenen Informationen deutlich unter dem liegt, was das Erinnerungsvermögen bei gleichzeitigem Sehen und Hören zu leisten im Stande ist. Im Rahmen der Design Thinking-Methode wird verstärkt auf das Potenzial der visuellen Darstellungsformen, wie sie uns schließlich auch häufig im Alltag begleiten, hingewiesen.

3. Pragmatisch – Design Doing, einfach machen!

Spätestens bei der Entwicklung eines Prototyps wird deutlich, dass es sich hier um eine stark umsetzungsbezogene Methode handelt. Die Devise lautet: Möglichst schnell erkenntnisreiches Feedback von

potenziellen Nutzern bekommen! Ob eine Idee letztlich gut oder schlecht ist, zeigt sich meist erst bei konkreten Umsetzungsversuchen, deren Erkenntnisgewinn selbst bei umfangreichen Vorüberlegungen nicht hätte erzielt werden können. Dieser Ansatz wird zwar häufig für richtig und notwendig befunden, in der Praxis aber stellt diese Art des Denkens und Handelns die involvierten agierenden Personen häufig vor große Probleme. Weniger zu planen und konstant etwas zu machen, entspricht nicht den Dogmen unserer Ausbildung zur Lösung eines Problems. Verschiedene Tests haben bewiesen, wie massiv diese Verhaltensform unsere Kreativität und Lösungsorientierung beschränkt

4. Intuitiv – Intuition als Grundvoraussetzung für kreative Prozesse

Die Geschäftswelt ist in erster Linie geprägt durch eine analytisch-rationalistische Denkweise, die grundsätzlich innovationshemmend wirkt. Um vorhersagbare Geschäftsergebnisse liefern zu können, setzen Unternehmen auf Vergangenheitswerte und übertragen diese auf die zukünftige Entwicklung. Soll jedoch eine Innovationskultur in Unternehmen implementiert werden, müssen rationalistische Denkweisen um intuitive Denkweisen ergänzt werden. Vereinfacht ausgedrückt müssen für innovative Lösungen auch Anregungen wie die unseres „Bauchgefühls“ berücksichtigt und kommuniziert werden können. Design Thinking schafft es an dieser Stelle, diese beiden Denkformen zielführend miteinander zu kombinieren.

Die vier Erfolgsfaktoren als Basis für ein neues Management-Paradigma

Diese vier beschriebenen Denk- und Arbeitsweisen sind sicherlich nur ein Teil des gesamten Design Thinking Mindsets – wenngleich sie als zentrale Eigenschaften besonders hervorzuheben sind.

Bei der Entwicklung von kreativen Lösungen sind sie vielleicht die wahren Erfolgsfaktoren und unterstützen damit die Aussage, Design Thinking als Kultur und neues Management-Paradigma zu verstehen.

Lesen Sie in unserem letzten Beitrag, welche Moderations- und Kreativitätsmethoden im Design Thinking zum Einsatz kommen.

Unser Design Thinking Handbuch „Wo ist das Problem? Design Thinking als neues Management-Paradigma“ erläutert das Thema detailliert. Hier können Sie es bestellen.

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Autor: Jendrik Busch

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