Die Design Thinking Trilogie: Teil 1 – In klar umrissenen Schritten zur Innovation

Es war einmal ein König, König Kunde, für den wurde ständig etwas Neues entwickelt. Doch der König wurde trotz der großen Vielfalt bald verdrossen. Nie wurde er gefragt, was er eigentlich braucht. Und so ging vieles an seinen Wünschen vorbei. Ein modernes Märchen? Mitnichten.

 

Mit sechs Schritten zum Erfolg

Wir möchten an dieser Stelle das Märchen mit dem König gerne aufgreifen und die Geschichte unter Einsatz von Design Thinking weiter erzählen.

Doch was ist Design Thinking denn nun überhaupt und was ist eigentlich neu daran?

Eine einfache Antwort auf diese Frage führt in den meisten Fällen zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis. Methode, Ansatz, Denkweise und Paradigma. Viele Begrifflichkeiten, die im Rahmen einer Definition wohl kaum in ihrer vollen Bedeutungskraft berücksichtigt werden können.

Dies gibt genügend Grund zum Anlass, Design Thinking auf Basis einer Beitrags-Trilogie näher zu erläutern. Ziel dabei ist es, dem Leser die Komplexität von Design Thinking aufzuzeigen und ein Verständnis dahingehend zu erzeugen, dieses nicht nur als bloße Beschreibung einer Methode zur Innovationsgewinnung zu verstehen.

Die jeweiligen Artikel der Trilogie richten sich nach den drei vorherrschenden Grundbestandteilen im Design Thinking. Demzufolge möchten wir im ersten Teil den Prozess, im zweiten Teil das Mindset und im dritten Teil den so genannten Methodenkoffer genauer beschreiben sowie dem Leser abschließend eine Zusammenfassung der Erkenntnisse mitgeben.

 Design Thinking: Kurzvorstellung

Angesichts immer komplexer werdender Märkte sind kollaborative Ansätze wie das von IDEO in den USA entwickelte Design Thinking nun auch hier im Kommen. Das Besondere an diesem Kreativprozess zur Ideenfindung: Orientiert am User-centered Design stehen hier bei der Entwicklung von Problemlösungen die Bedürfnisse des Kunden im Fokus („human-centered“). Anders als viele „klassische“ Methoden setzt Design Thinking dabei auf interdisziplinäre Teams und lebt von absoluter Ergebnisoffenheit sowie einem individuellen und flexiblen Arbeitsumfeld.

Zentrales Element im Design Thinking sind aber vor allen die sechs aufeinander abgestimmten Prozessschritte.

Iterativer Prozessablauf im Design Thinking

Die sechs Prozessschritte sind iterativ miteinander verbunden und teilen den Prozess grundlegend in zwei Aktionsräume ein. In den ersten drei Phasen liegt der Fokus auf der Problemanalyse, in der zweiten Hälfte geht es um die Erarbeitung von Lösungsansätzen und deren konkrete Ausgestaltung.

Der iterative Charakter führt dazu, dass neue Erkenntnisse nicht nur gezielt gefördert, sondern auch jederzeit berücksichtigt werden können – fehlerhafte oder auch ausbleibende Erkenntnisse werden nicht als etwas Misslungenes, sondern als Ergebnis eines Lernprozesses verstanden. Design Thinker sind auf diese Situationen stets vorbereitet und durchlaufen in der Folge bestimmte Prozessphasen erneut. Es liegt in diesem Zusammenhang die Vermutung nahe, dass durch das ständige Iterieren am Ende bessere Resultate erzielt werden, als wenn der Prozess ohne kritisches Hinterfragen ausgeführt werden würde.

Im Folgenden werden nun die einzelnen Prozessschritte kurz erklärt.

1. Verstehen

Hier geht es um ein klares Problemverständnis. Nach eingehender Recherche wird eine geeignete Fragestellung formuliert, die den Rahmen des Projekts definiert.

2. Beobachten

Sind die im ersten Schritt getroffenen Annahmen korrekt? Ist das angenommene Problem das wesentliche oder gibt es noch völlig andere? Durch intensive Recherche und Beobachtungen werden wichtige Erkenntnisse gewonnen und visualisiert, um das Team auf einen einheitlichen „Experten-Stand“ zu bringen.

3. Standpunkt definieren

Die gesammelten Beobachtungen werden verdichtet, um einen ganzheitlichen Blick auf die Zielgruppe zu bekommen, und Einsichten (Insights) entwickelt. Alle bisher erhobenen Daten werden für die nächsten Schritte aufbereitet und kommunizierbar gemacht.

Nachdem sich die Design Thinker intensiv mit der Identifizierung des Problems auseinandergesetzt haben, ist es nun an der Zeit, Lösungen für das Problem zu entwickeln. Es findet an dieser Stelle ein Übergang vom Problem- in den Lösungsraum statt.

4. Ideen finden

Hier werden Ideen für mögliche Innovationsfelder entwickelt. Klassischerweise mit der Brainstorming-Methode, die wie das Design Thinking viel mit Visualisierung arbeitet.

Die vielversprechendsten Ideen werden unter den Aspekten Anzie-hungskraft, Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit ausgewählt. Auch hier stehen die Kundenbedürfnisse im Mittelpunkt.

5. Prototyp entwickeln

Was Design Thinking von den „klassischeren“ Methoden abhebt, ist das Arbeiten mit (einfachen) Prototypen. Sie helfen, die Ideen für den Nutzer zu visualisieren, und dem Team bei der Weiterentwicklung der Idee. So entstehen weitere Ideen und Modifikationen der Ursprungsidee. Eine schnelle Abfolge von Prototypen hilft, falsche Wege früh zu erkennen und Entwicklungskosten zu sparen. Die Idee selbst wird dadurch ständig verfeinert und verbessert.

6. Testen

Es folgen immer wieder Tests und Feedbackphasen mit der Zielgruppe, bis der Großteil der Nutzer eine Idee versteht und annimmt. Erst dann beginnt die Umsetzung.

 

Es bleibt im Ergebnis festzuhalten, dass der sechsstufige Prozess Lösungen hervorbringt, die vor allem auf den Bedürfnissen der Endnutzer beruhen und damit im Gegensatz zu herkömmlichen Prozessmethoden deutlich innovativer sind.

König Kunde würde mit vollem Recht sagen „Der Kunde ist König“ und dankt es an dieser Stelle mit Zufriedenheit.

Dies belegen zahllose Erfindungen wie zum Beispiel der Warmhalte-Schlafsack für Frühgeburten als Alternative zu teuren und oft unerreichbaren Inkubatoren, durchdachte Apps oder die Verwandlung des wirtschaftlich maroden Zoos Hannover in einen erfolgreichen Erlebniszoo.

Lesen Sie in unserem zweiten Beitrag, was sich hinter dem Mindset von Design Thinking verbirgt.

Unser Design Thinking Handbuch „Wo ist das Problem? Design Thinking als neues Management-Paradigma“ erläutert das Thema detailliert. Hier können Sie es bestellen.

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Autor: Barbara Sowa; Jendrik Busch

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