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Smart Countries sind keine Illusion – doch der (Land-) Weg ist noch weit

Angeblich ist die Welt ein globales Dorf, doch es wird fast nur über Cities geschrieben, die immer smarter werden, während Landflucht und Urbanisierung weiter voranschreiten. Dabei leben nach wie vor zwei Drittel der Deutschen auf dem Land. Wenn das so bleiben soll, sind „Smart Countries“ gefragt…

Städte werden größer, der ländliche Raum verödet: welche Geschäftsmodelle und Innovationen erleichtern das Leben auf dem Land?

Bei vielen, die auf dem Land großgeworden sind, weckt das helle Bimmeln eines Glöckchens noch heute eine besonders schöne Kindheitserinnerung an das Geläute des Eismanns, der mit seinem rollenden Verkaufsstand um die Ecke kam, um den am Haus spielenden Kindern süße Abkühlung zu bringen. Das Geschäftsmodell der mobilen Gelateria ist keinesfalls nur Nostalgie – sondern mittlerweile wieder im Kommen: der „Shop on Wheels“ zur Versorgung der Landbevölkerung.

Wo ein fester Ladenstandort seinem Betreiber keine ausreichenden Einnahmen mehr beschert, weil sich nicht mehr genug Laufkundschaft findet, wird oft das Angebot auf Rädern bereit gestellt und zu den Nachfragenden gebracht. Dabei machen sich neben Eisverkäufern nicht nur Bäcker oder Metzger mobil: Auch fahrende Fußpfleger, Nageldesigner oder komplett mobile Kosmetikstudios haben Konjunktur – ebenso wie die Anbieter entsprechender Shopsysteme.

DAS „HOME OFFICE“ IN EINER VERNETZTEN WELT IST BISLANG NUR EIN SCHLAGWORT

Dass neben der Lebensmittelbranche vor allem Vertreter aus dem Sektor Gesundheit und Pflege zunehmend die Provinz erobern, ist kein Zufall. Denn solche Angebote werden vornehmlich von älteren Menschen geschätzt und auf dem Land schreitet die demografische Entwicklung schneller voran. Das bedeutet, dass sich außerhalb der Städte der Altersdurchschnitt schneller hebt, weil es den Nachwuchs zunehmend in die Großstadt zieht.

Um den demografischen Wandel aufzuhalten sind Bildungs-, Freizeit- und Kulturangebote nötig, die mit den „Smart Cities“ konkurrieren können – und Arbeitsplätze. In den Zeiten des „alles vernetzenden World Wide Web“ sollte das längst möglich sein. Auch ein Schlagwort wie „Home Office“ wird offenkundig immer populärer. Die Realität sieht aber leider immer noch ganz anders aus.

Schnelles Internet ist nach wie vor in vielen ländlichen Regionen nicht verfügbar. Dabei stellt es nicht nur eine unbedingte Voraussetzung für das Arbeiten vom heimischen PC dar sondern ist auch erforderlich, um neue Angebote wie ununi.TV zu nutzen. Hierbei handelt es sich um ein Bildungsnetzwerk, das über dezentrale virtuelle Dienste nicht nur Studierende, sondern auch Hochschulen und Bibliotheken zusammenführt. Um Heimarbeit auf eine breitere Basis zu stellen, bräuchte es auch flexiblere Tarifverträge und Vergütungsstrukturen. Hier stellen sich die meisten Arbeitgeber immer noch quer: Ihr Fokus liegt oft noch auf der ständigen Kontrollierbarkeit der Beschäftigten, auf Präsenz und Ergebnisse, die sich nur am Arbeitsplatz im Unternehmen gewährleisten lassen.

40 PROZENT ALLER JOBS KÖNNTEN VON ZU HAUSE ZU ERLEDIGT WERDEN – THEORETISCH

Dabei wäre Potenzial für Heimarbeit durchaus vorhanden: Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) arbeiten gegenwärtig nur zwölf Prozent aller abhängig Beschäftigten in Deutschland gelegentlich oder überwiegend im Home Office. Laut DIW sind 40 Prozent problemlos möglich.

Die Forschungsinitiative „Smart Rural Areas“ des Fraunhofer Instituts für Experimentelles Software Engineering (IESE) in Kaiserslautern hat sich zur Aufgabe gemacht, „Einschränkungen und Hindernisse, die derzeit gegen das Landleben sprechen“ auszuräumen. Gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Industrie sollen „smarte, softwarebasierte Lösungen“ entwickelt werden. Beispielsweise soll ein Projekt mit dem Westpfalz-Klinikum die telemedizinische Überwachung von Patienten verbessern sowie ein schnelleres Reagieren in Notfällen ermöglichen.

DIE KOMPETENZ VOR ORT: LANDWIRTSCHAFTLICHE ERZEUGNISSE UND ENERGIE

Vereinzelt entwickeln auch Bürger, Unternehmer und Politiker in ihren Region gemeinsam Ideen, um ihre Kompetenzen vor Ort zu bündeln und auszubauen, beispielsweise mit Online-Plattformen wie „TasteofHeimat.de“, einem Netzwerk für Produzenten, Anbieter und Verbraucher landwirtschaftlicher Produkte.

Ebenfalls im Kommen: „Energiedörfer“, die mittels Windkraft, Biogas, Solarthermie und Photovoltaik nicht nur ihren eigenen Energiebedarf stillen, sondern auch andere mitversorgen. Kommunen, die dem bereits mehrfach ausgezeichneten Vorbild Wildpoldsried im Oberallgäu nacheifern wollen, können sich mittlerweile von „Energiedorf-Coaches“ schulen lassen.

Auf hier auf dem Land finden sich oft genau die Experten, die das Land braucht.

Autor: Eric Scherer

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