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Flüchtlinge: Innovation durch neue Bevölkerungsgruppen

Von „Willkommenskultur“ über Angst und Skepsis bis zu offener Ablehnung: Die Flüchtlingsproblematik hat alles an denkbaren Reaktionen hervorgerufen. Oder? Eines kommt bislang noch zu kurz: Was ist von den Flüchtlingen an Innovationskraft für Deutschland zu erwarten?

Krise hin oder her: Kann Deutschland sich auch in neue Ideen flüchten?

Gute Ansätze sind durchaus erkennbar: Daimler-Chef Dieter Zetsche etwa hat schon im September 2015 angekündigt, in den Flüchtlingsheimen gezielt nach qualifizierten Arbeitskräften zu suchen. „Die meisten Flüchtlinge sind jung, gut ausgebildet und hoch motiviert. Sie können uns – wie vor Jahrzehnten die Gastarbeiter – helfen, unseren Wohlstand zu erhalten, beziehungsweise zu vermehren.“ In Hessen haben verschiedene Unternehmen, darunter Opel, die „InCharge-Initiative für Flüchtlinge“ entwickelt., Ein Mentorenprogramm, in dem Beschäftigten der teilnehmenden Betriebe jeweils ein Flüchtling zugewiesen wird. Diese werden von den Beschäftigten über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten betreut und beim Organisieren ihres Alltags sowie beim Vertiefen ihrer Sprachkenntnisse unterstützt. Das Programm soll in Kürze bundesweit ausgerollt werden.

ARBEIT, BILDUNG UND WOHNEN: HIER SIND IDEEN GEFRAGT

Die Beispiele deuten bereits an, dass neue Ideen vor allem in den Bereichen Arbeit, Bildung und Wohnen gefragt sind, wenn Integration keine hohle Phrase bleiben soll. Punktuell tut sich durchaus was: In Hannover beispielsweise testen Architekturstudenten Bausysteme, mit denen sich auf Flachdächern zügig neuer Wohnraum schaffen lässt – eine Reaktion auf die durch Flüchtlinge entstandene Platznot, von der der Bausektor dauerhaft profitieren könnte.

Bei einem „Refugee-Hackathon“ in Berlin mit insgesamt 300 Programmierern wurde unter anderem eine Übersetzungs-App entwickelt, die das Erlernen der deutschen Sprache erleichtert. Kommunikationsdesignstudenten haben die Plattform workeer.de geschaffen, die Flüchtlinge mit potenziellen Arbeitgebern vernetzt. Das Projekt refupreneuer.eu unterstützt Flüchtlinge, die ein Unternehmen gründen wollen beim Crowdfunding.

NEUER PIONIERGEIST DURCH FLÜCHTLINGE? AN MUT FEHLT ES JEDENFALLS NICHT

Ein weiterer interessanter Punkt ist, dass die Zahl an Neugründungen im gewerblichen Bereich in Deutschland gegenwärtig zurückgeht. „Für ein Industrieland, in dem es vor allem auf Innovationen ankommt, ein bedenkliches Zeichen!“ warnt nicht nur Julian Kawohl, Professor für Strategisches Management in Berlin, in seinen „Digital Management News“. Drei wesentliche Punkte hemmen seiner Ansicht nach den teutonischen Gründergeist: Zu wenig Kapital, übermäßige Bürokratie und fehlender Mut zum Risiko.

Zumindest zum letzten Kriterium brächten Flüchtlinge tendenziell eine andere Einstellung mit: „Allein die Bereitschaft, die eigene Heimat zu verlassen und dabei sogar das eigene Leben aufs Spiel zu setzen, zeigt größten Mut. Und den unbedingten Willen, das Potenzial eines Neuanfangs nutzen zu wollen“, so Kawohl. Dafür ist der Kampf für mehr Kapital und gegen zu viel Bürokratie für sie allerdings viel schwerer zu gewinnen als für einheimische Pioniere.

NACHAHMER GESUCHT: KfW FÖRDERT INTEGRATIONSIDEEN

Dem versucht beispielsweise die staatliche Förderbank KfW entgegenzuwirken: Sie fördert gegenwärtig 14 Startups, die sich die Integration von Flüchtlingen zum Ziel gesetzt haben. Hier werden unter anderem eine Nähwerkstatt in Frankfurt, ein Foodtruck mit arabischen Speisen in Brandenburg oder ein IT-Zentrum in Gießen unterstützt. Schirmherr des Projekts „Ankommer“ ist Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Geschäftsführer Norbert Kunz hofft darauf, dass solche Projekte Nachahmer finden – oder zu weiteren Innovationen inspirieren: „Wir müssen lernen, die neuen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Chancen für Deutschland zu erkennen und zu nutzen.“

Autor: Eric Scherer

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