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R2-D2 übernimmt! Roboter schreiben in Zukunft auch Marketing-Texte

Ausgefeilte Algorithmen produzieren schon heute Texte, die kaum noch von Formulierungen „echt“ schreibender Journalisten zu unterscheiden sind. Die Erstellung individueller Texte im Marketing ist die nächste Entwicklungsstufe.

 

Garantiert haben Sie es nicht gemerkt: Sie haben schon viele von „Robotern“ verfasste Texte im Internet gelesen. Und dabei nicht festgestellt, dass eine Maschine für Sie geschrieben hat. Egal, ob es sich dabei um Produktbeschreibungen, Wettermeldungen oder die Fußballberichterstattung handelt – Maschinen sind auch hier auf dem Vormarsch und schreiben in so hoher Qualität, dass der Leser keinen Unterschied zu einem „menschlichen“ Schreiber bemerkt.

Schneller, fehlerfreier und ständig verfügbar

Unternehmen wie Automated Insight in den USA oder aexea und textOmatic in Deutschland bieten Medien ihre automatisch erstellten Texte an. Dass die Redaktionen nicht so ganz offen darüber reden, ob Kollege Meier oder ein Algorithmus schreibt, liegt auf der Hand: Welches Medium gibt schon gerne zu, dass der Text nicht vom versierten Journalisten, sondern von einer Maschine stammt? Dabei lassen sich die Vorteile der Textroboter nicht leugnen: Grammatikalische Fehler können so gut wie ausgeschlossen werden, der Text ist bereits drei Sekunden nach Abpfiff eines Fußballspiels fertig und die Rechtschreibung der Algorithmen schlägt in der Regel jeden Korrekturleser. Und das bei ständiger Verfügbarkeit und zu einem Bruchteil der Kosten von menschlichen Mitarbeitern.

Der Roboter ist beim Handelsblatt schon im Einsatz

Um dieses Leistungsversprechen einhalten zu können, haben Anbieter wie aexea oder textOmatic gigantische Datenbanken aufgebaut. Eingespeist sind Textphrasen, Synonyme und Basisinformationen zu Orten, Ereignissen, Personen etc. Mithilfe von ausgefeilten Algorithmen werden daraus eigenständig individuelle Texte erstellt. Die Software ist dabei automatisch in der Lage, Besonderheiten zu erkennen oder etwa auch Querverbindungen zu relevanten Vergangenheitsbezügen herzustellen.

So setzt das Handelsblatt seit Anfang Oktober 2015 auf die Leistungen von Kollege Roboter. Alle 15 Minuten erstellt die Maschine von textOmatic einen neuen, topaktuellen Börsenbericht zum MDax, TecDax und SDax. FussiFreunde, ein Portal zum regionalen Fußball, nutzt seit Beginn der Saison 2015/16 automatisch erstellte Fußballvorberichte, ebenso wie der Sport-Informations-Dienst (SID).

Entlastung von Routineaufgaben

Trotz dieser ersten Erfolge ist es nicht zu erwarten, dass bereits schon morgen menschliche Journalisten in nennenswerter Zahl gegen Roboter ausgetauscht werden. „Es geht eher um stupide Arbeiten, die Computer übernehmen“, so der Computerlinguist Professor Ulrich Schade vom Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) im rheinischen Wachtberg. „Ob das Tor beim Fußball besonders schön war, kann ein Computer nur sehr schwer erkennen“, erklärt Schade. Herman Bense, Vorstand von textOmatic, empfiehlt daher Journalisten, sich schon heute darauf zu konzentrieren, Texte mit starkem Meinungsanteil und Reportagen zu schreiben – und dafür die Entlastung von Routineaufgaben durch die Maschine zu nutzen.

Doch schon bald wird der Roboter auch Marketing-Texte schreiben und im Kundenkontakt das Wort führen. Dann werden Textbausteine in der Kundenansprache Vergangenheit sein. Der individuelle, genau auf den User zugeschnittene Text schlägt die herkömmliche Arbeit mit den Textbaustein um Längen. Das kann sich auch Mario Haim vorstellen. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München untersucht die Wirkung automatisch erstellter Texte. Zwar konstatiert er für die Gegenwart noch: „Menschliche oder menschlich klingende Autoren stehen bei Rezipienten höher im Kurs als etwa ‘Kollege Roboter’“. Aber die Entwicklung automatischer Textgenerierung steht erst noch in ihren Anfängen.

Deswegen sollten nicht nur Medienschaffende, sondern auch Marketing-Experten die zu erwartenden Innovationsetappen aufmerksam verfolgen: Sobald echt und individuell wirkende, aber technisch generierte Werbetexte traditionelle Kampagnen schlagen, wird die Nachfrage explosionsartig steigen.

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Autor: Uli Kievernagel

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