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Ist Fracking ein zukünftiges Geschäftsmodell für die hiesigen Energieversorger?

Erdgas wird als Energieträger in den kommenden Jahren immer wichtiger werden. Aber woher soll der Brennstoff kommen? Fracking hat in den USA für einen enormen Anstieg der Produktion gesorgt. Ist dieses Modell auch auf Europa übertragbar?


Geologen schätzen, dass zwischen Madrid und Kiew bis zu 15 Millionen Kubikmeter Gas lagern. Das würde ausreichen, um den Bedarf auf dem europäischen Kontinent für die nächsten 30 Jahre zu decken.

Bei der neuen Fördermethode, dem sogenannten „Fracking“, wird das Gestein mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen. Dabei wird in der Regel ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst. Es entstehen Risse im Gestein, durch die das Gas entweichen und über Bohrrohre an die Oberfläche gelangen kann.

Die Vor- und Nachteile von Fracking

Bei der Förderung gibt es allerdings gleich mehrere Probleme: Fracking ist technisch enorm kompliziert, was die Kosten für das so produzierte Gas in die Höhe treibt. Außerdem lässt die Produktivität von Förderstätten innerhalb weniger Monate deutlich nach, es muss also ständig neu gebohrt werden. Und zu „guter“ Letzt: Die Auswirkungen auf die Umwelt sind bislang noch kaum erforscht.

In den USA – in geringerem Ausmaß auch in Kanada – haben verschiedene Faktoren zum Fracking-Boom beigetragen. Viele Vorkommen sind relativ einfach zu erschließen, die zuständigen Behörden stellen keine besonders hohen Anforderungen und in den vergangenen Jahren hatten viele relativ kleine Unternehmen in diesem Bereich über die Börse Zugang zu Kapital. Investoren versprachen sich bei hohen Ölpreisen enorme Renditen durch die neue Technik.

Gasmarkt der Zukunft: Lohnt sich für deutsche Energieversorger der Einstieg ins Fracking?

Der starke Rückgang des Ölpreises hat sich inzwischen allerdings negativ auf die Attraktivität der Branche ausgewirkt und nahm der Anfangseuphorie den Wind aus den Segeln. Neue Felder werden kaum noch erschlossen, erste Unternehmen mussten bereits Insolvenz anmelden. Für angeschlagene Energieversorger hierzulande, die ohnehin keine umfangreichen Liquiditätsreserven haben, ist das kein besonders vielversprechendes Szenario.

Wie der Markt für Gas in Zukunft aussehen wird, lässt sich derzeit kaum vorhersagen. Grundsätzlich wollen viele Länder in Europa zwar unabhängiger werden von russischem Gas, aber dieses Ziel ließe sich auch durch LNG-Importe erreichen. Hier wird das Flüssiggas konventionell gefördert und für den Transport stark gekühlt, um es danach auf Schiffe zu verladen.

Vor allem in Ostafrika und in Asien sind in den vergangenen Jahren riesige Gasvorkommen entdeckt worden, die relativ günstiges Gas liefern können. In ganz Europa werden zudem regenerative Energien stark ausgebaut. Während Fracking auf absehbare Zeit wohl noch sehr teuer bleibt, dürften Wind- und Solarenergie hingegen deutlich günstiger werden. Für deutsche Energieversorger erscheinen deshalb Investitionen in diesen Bereichen zunächst sicherlich sinnvoller als das teure und umstrittene Fracking. Zumal die Gasförderung in Deutschland noch nicht endgültig behördlich geregelt ist.

Trotzdem: Auszuschließen ist es nicht, dass das Fracking auch hierzulande irgendwann Standard werden könnte. Ein neuer Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Gasförderung ist bereits beschlossen.

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Autor: Dirk Siebels

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1 Kommentar
  • Swanette Kuntze on 16. Juni 2015

    Ansehpflicht! … für alle die auch nur ansatzweise darüber nachdenken, dass Fracking eine Lösung für unsere Energieprobleme sein kann:
    Gasland – Wie Fracking die Umwelt verseucht
    https://www.youtube.com/watch?v=GX906zb4cw0

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